Einen ersten Gipfel der Popularität erreichte das Instrument in der US-amerikanischen Dixieland-Jazz-Ära der 1910er-Jahre. Nach Europa gelangt dieser Stil erst nach dem Zweiten Weltkrieg. In den 1950er Jahren kommt es zu einem regelrechten Dixieland-Revival. Beim Dixieland fällt der Klarinette die Aufgabe zu, die Melodielinie der Trompete zu umspielen. Pete Fountain ist ein amerikanischer Vertreter dieses Genres. Monty Sunshine und Mr. Acker Bilk führten die europäische Bewegung an. Letzterer gründete 1958 die Paramount Jazz Band. Markenzeichen sind Melone und Ziegenbart sowie die gestreiften Jazz-Westen der Band.

In der Big-Band

Auch in der Big-Band-Hochzeit der 1930er und 1940er Jahre nimmt die Klarinette eine zentrale Position ein. Geprägt wurde diese durch die Orchesterleiter, von denen es wiederum einige gibt, die sich dem Klarinettenspiel verschrieben haben. Allen voran Benny Goodman, dessen Musik in erster Linie darauf ausgerichtet war, ihn in seiner Rolle als eleganten Solisten auf der Klarinette herauszustellen. Gleichzeitig gilt er als einer der populärsten Vertreter des Swing. Als musikalisches Wunderkind auf der Klarinette tritt ein späterer Big Band-Chef bereits mit neun Jahren öffentlich auf. Es handelt sich um Woody Herman, der meist um seine Klarinette gekrümmt, nervös, gehetzt, fahrig und zugleich verbissen konzentriert zu Werke geht. Als weiterer großer Bandleader und Klarinettist präsentiert sich Artie Shaw. Ende 1936 gründete er seine Bigband, die zu den erfolgreichsten Orchestern der Swing-Ära zählen sollte. Sein Spiel auf der Klarinette ist immer voller lyrischer Wärme, des Weiteren zeichnet ihn sein unnachahmlich voller -mal verhangener, mal messerscharfer- Ton aus. Einen überaus bekannten Orchesterleiter, der Klarinette spielt, den hat – mit Hugo Strasser– auch Deutschland vorzuweisen. Sein Orchester ist bekannt für Tanzmusik, vor allem durch die Albumreihe „Tanzplatte des Jahres.“ Auch bei vielen Tanz-Weltmeisterschaften geben er und sein Mannen den Takt und den Ton vor.

Das Saxophon verdrängt

Mit der sinkenden Beliebtheit der Big-Bands in den späten 1940ern wird die Klarinette in weiten Teilen vom Saxophon verdrängt. Doch taucht sie sporadisch immer wieder auf. In den 1980er Jahren kommt es sogar zu einem regelrechten Klarinettenrevival. Theo Jörgensmann etwa gehört zur zweiten Generation der europäischen Free Jazz Musiker und zu den wenigen Klarinettisten, die Solo-Konzerte geben. Rolf Kühn, ein weiterer deutscher Vertreter spielt zunächst im Orchester von Benny Goodman und als Solo-Klarinettist bei Tommy Dorsey. Neben klassischem Jazz beschäftigt er sich auch mit Free Jazz, Jazzrock und Filmmusik. Ein klarinettistischer Genrehopper ist Don Byron. Von Klezmer über afro-karibische Traditionen bis hin zum Funk und Hip-Hop ist er überall zuhause. Eddie Daniels macht sich sowohl als Jazzmusiker als auch als Interpret klassischer Musikwerke einen Namen. Paquito D’Rivera, Perry Robinson, Buddy DeFranco, Lajos Dudas loten die modernen Möglichkeiten ihres Instrumentes in vielerlei Richtungen aus.

Die Bassklarinette

Einen wunderbar erdig-warmen Klang erzeugt die Bassklarinette, die kein Geringerer als Adolphe Sax entwickelte. Deren faszinierende melancholische Fähigkeit einerseits und ihre minimalistische Ästhetik andererseits, legt Eric Dolphy in der Solointerpretation des Billie Holiday Klassikers „God Bless the Child“ frei. Zum Abschluss umgarnt David Murray mit seiner Bassklarinette eine wunderschöne Ballade.